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Erkenntnisse und Zeugnisse

Sachliche Widersprüche in der Bibel – scheinbar oder echt?

WiderspruchVor einiger Zeit war ich in einem Gottesdienst in einer Gemeinde hier in Singapur, da hat der Prediger etwas sehr Überraschendes für mich gesagt:

Der wichtigste Grund, warum wir auf die Bibelschule gehen, ist daß wir anschließend die scheinbaren Widersprüche in der Bibel aufklären können.

So banal dieser Satz klingt, so richtig finde ich ihn.

Scheinbare Widersprüche in der Bibel? Widersinnig, das.

Warum sollen da scheinbare Widersprüche sein? Das ist doch “Gottes Wort”, warum soll sich denn Gott widersprechen? Gott ist doch nicht widersprüchlich, nicht einmal scheinbar, oder?

Das ist richtig, aber es lässt außer acht, daß die Bibel durch Menschen geschrieben ist, durch die Gott spricht. Die Bibel selbst sagt es, an vielen Stellen. Hier nur ein paar Stellen dazu, damit diese Aussage nicht so nackig als bloße Behauptung dasteht:

Die ganze Schrift ist von Gottes Geist eingegeben…
2. Timotheus 3, 16

Denn niemals wurde durch menschlichen Willen eine Weissagung hervorgebracht, sondern vom heiligen Geist getrieben redeten heilige Menschen, von Gott gesandt.
2. Petrus 1,21

Nun scheint aber dennoch immer da und dort das Mensch-Sein der Betreffenden durch.

Das sieht man am besten an denjenigen scheinbaren Widersprüchen, die rein sachlicher Art sind. Man fragt sich, wie können diese entstehen? Es ja so, daß verschiedene Bücher der Bibel dieselbe Zeit oder sogar dieselbe Situation beschreiben. Nun sollte man meinen, daß diese verschiedenen Berichte dann auch bis ins Detail übereinstimmen sollten, wenn es sich wirklich um Gottes Wort handelt, oder?

Das ist aber scheinbar an manchen Stellen nicht der Fall.

Wenn Sie eine gute Übersicht über solche vermeintlichen sachlichen Widersprüche haben möchten, dann können Sie im Internet nach einem Dokument “101_klare_Widersprueche_in_der_Bibel.pdf” von Shabir Ally (übersetzt von Muhammed Klimek) suchen, Sie finden es mit Sicherheit. Hier
http://www.way-to-allah.com/dokument/101_klare_Widersprueche_in_der_Bibel.pdf
ist ein Link darauf.

Es ist eine beliebte und auch zulässige Methode, einen Zeugen oder ein Beweisstück in einen unglaubwürdigen Zusammenhang zu stellen: man weist nach, daß es Widersprüche gibt. Und mit dieser Vorgehensweise versucht der Autor von “101_klare_Widersprueche_in_der_Bibel.pdf” nachzuweisen, daß die Bibel unglaubwürdig sei.

Dazu muß ich allerdings auch etwas aus der juristischen Praxis beitragen. Und die ist ja der Maßstab hier.

Zuerst einmal fällt das Wort “klar” in dem Titel “101_klare_Widersprueche_in_der_Bibel.pdf” des Dokuments auf. Diesen Fehler machen juristische Laien und Anfänger häufig: wenn jemand in einem Beweisverfahren oder auch in einer juristischen Prüfung etwas zu seinen Gunsten als “klar” anzupreisen versucht, dann gehen bei mir immer alle Warnlampen an. In so einem Fall ist nämlich normalerweise gerade das Gegenteil der Fall: nichts ist “klar”.

Und wenn man die Vorgehensweise in dem Dokument “101_klare_Widersprueche_in_der_Bibel.pdf” mit mit derjenigen in einem gerichtlichen Verfahren vergleicht, dann fällt einem weiterhin Folgendes auf. Der Autor nimmt eine Bibelstelle wörtlich und vergleicht sie wörtlich mit einer anderen Bibelstelle.

Wenn man so bei Gericht vorgehen würde, dann müßte man bei fast jedem Strafverfahren den Täter wegen widersprüchlicher Beweise freisprechen, außer es gibt nur einen einzigen Zeugen. Und selbst der wird sich natürlicherweise manchmal widersprechen. Niemals sagen zwei verschiedene Zeugen hundertprozentig dasselbe aus, und schon gar nicht wörtlich.

Vielmehr sind sogar deswegen Zeugen, die vom gleichen Geschehen wörtlich dasselbe sagen, vollständig unglaubwürdig. Auch bei Verhören der Stasi galt, daß Befragte, die bei der Befragung dieselbe Verteidigung immer und und immer wieder wörtlich wiederholten, als Lügner galten. Eine der Anfangsszenen des Films “Das Leben der Anderen” macht das sogar zum Schlüsselthema, siehe hier

Im Licht dieser Erfahrung sind für mich die vielen scheinbaren Widersprüchen in der Bibel sogar eher ein Beweis für die Zuverlässigkeit der biblischen Zeugen, besonders weil sich diese scheinbaren Widersprüche aufklären lassen.

Oder nehmen wir sogar an, daß ein Betrüger die in der Bibel berichteten Dinge hätte niederschreiben wollen. Ein solcher Betrüger hätte er sich doch vor jedem scheinbaren Widerspruch gehütet, oder? Wenn man nun die scheinbaren Widersprüche in der Bibel sogar auflösen kann, dann steigert das die Glaubwürdigkeit der Bibel noch mehr.

Am scheinbar publikumswirksamsten sind in diesem Zusammenhang natürlich die sachlichen Widersprüche in der Bibel.

Beispiel für einen solchen sachlichen Widerspruch: “Wie viele Seelen des Hauses Jakob kamen nach Ägypten?

Waren es a) 70 Seelen, wie nach 1. Mose 46,27 oder
waren es b) 75 Seelen wie nach Apostelgeschichte 7,14? (vgl. den scheinbaren Widerspruch 59 im o.g. Dokument)

Antwort: beide Zahlen sind korrekt. Stephanus in Apg 7,14 zitierte die Zahl nach der griechischen Übersetzung des Alten Testaments, die nach 4. Mose 26,29.35-36 auch die später geborenen Enkel Josefs hinzuzählt und somit in 1Mo 46,27 und 2Mo 1,5 die Zahlen auf 75 korrigiert. Der hebräische Text zählt aber nur die beiden Söhne Josefs hinzu und kommt deshalb auf 70.

Wie man sieht, lässt sich scheinbarer sachlicher Widerspruch einfach aufklären, wenn man genügend Kenntnisse insbesondere in der Geschichte und den Lebensumständen der Personen der Bibel hat.

Nun gibt es einige Bibellehrer, die sich mit solchen Widersprüchen beschäftigen, denn es macht ja offensichtlich auch Spaß, sich solcher Dinge anzunehmen. Wenn man es wirklich kann, dann muß es so ähnlich wie ein Videospiel à la PacMan sein. Man kann diese Dinge vollkommen entspannt angehen. Man wird am Ende nicht verlieren, denn die Bibel widerspricht sich nicht, wie sie uns selbst sagt, nachfolgend an zwei Beispielen veranschaulicht:

Denn wahrlich, ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe noch ein Tüpfelchen vom Gesetz, bis es alles geschieht.
(Mt 5,18, Unterstreichung hinzugefügt)

Alle Schrift ist von Gott eingegeben
und nützlich zur Belehrung, zur Überführung, zur Zurechtweisung,
zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes ganz zubereitet sei,
zu jedem guten Werk völlig ausgerüstet.
(2. Timotheus 3,16-17, Unterstreichung hinzugefügt)

Einer der gesegneten Menschen, die sich offenbar gerne mit dieser Aufgabe beschäftigen, ist Karl-Heinz Vanheiden, der hier
http://www.kh-vanheiden.de/Bibelwid/index.htm
einiges dazu zusammengestellt hat.

Abschließend muß ich auch etwas Persönliches dazu beitragen: dieses ganze Jagen nach den vermeintlichen sachlichen Widersprüchen in der Bibel ist am Anfang ja sehr spannend aber irgendwann, wenn dann 30 oder sogar 40 solcher Widersprüche nacheinander aufgeklärt sind, dann wird die Sache für mich müßig. Soll ich nun hoffen, daß sich der 101te Widerspruch nicht aufklären lässt? Und wenn sich keine Erklärung ergibt, liegt es daran, daß es ein wirklicher sachlicher Widerspruch ist oder daß der arme Erklärer nicht genug Kenntnisse hat, um den sachlicher Widerspruch aufzuklären? Das ist doch alles unsinnig.

Für mich steht fest: Die Bibel ist Gottes Wort und deshalb frei von Widersprüchen. Wenn jemand einen guten Grund hat, mir das Gegenteil zu beweisen, bitte schön. Aber bitte komme der nicht damit, daß zwei Zahlen von zwei verschiedenen Autoren an zwei verschiedenen Bibelstellen verschieden wiedergegeben sind, wo sie doch eigentlich dasselbe sein sollten.

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Bitte beachten!

Was wir Menschen tun ist zwangsläufig mit Fehlern behaftet.
Die Bibel rät deshalb: "Prüft alles und das Gute behaltet!" (1. Thess 5, 21)

Entsprechend haben sich die Männer von Beröa verhalten, über die Folgendes berichtet wird:
"Diese aber waren freundlicher als die in Thessalonich; sie nahmen das Wort bereitwillig auf und forschten täglich in der Schrift, ob sich's so verhielte." (Apg 17, 11)

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