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Schnittpunkt Finanzen und persönliche Ethik am aktuellen Beispiel: wie der Papst in Wirtschaftsfragen irrt

Man könnte ja meinen, daß Glaubensdinge und Finanzen und Rechtsstaatlichkeit nichts miteinander zu tun haben. 

In diese Richtung deutet zumindest eine Vorschrift aus meinen “Richtlininen zu Kommentaren

Kommentare mit religiösem … Hintergrund werden nicht veröffentlicht.

Dabei bitte ich jedoch zu bedenken, daß sich diese Vorschrift im Hinblick auf die Religion gegen Kommentare richtet, die grundsätzlich gegen alles sind, was mit Finanzen und Rechtsstaat und auch mit dem Internet zu tun hat. Solche Hinweise kommen oft aus einer ideologischen Ecke, die z.B. das Internet und bargeldlose Zahlungssysteme im Hinblick auf die Endzeit-Prophezeiungen in der Bibel als Teufelsswerk verdammen. Damit möchte ich meine Internetseite nicht überfrachten, wenngleich es dazu – sogar aus biblischer Sicht – einiges dagegen zu sagen gäbe. Hier auf meinem vorliegenden Blog ist dafür aber einfach der falsche Platz.

Nun gibt es aber doch Überschneidungen mit Glaubensangelegenheiten, denn was für unsere Wirtschaftsethik gilt, das kann man nicht trennen von der Ethik auf der persönlichen Ebene, die in meinem persönlichen Fall eng mit dem biblischen Glauben an Jesus Christus zusammenhängt.

Dies gilt übrigens nicht nur für Christen wie mich, sondern für alle Menschen, auch wenn sie das nicht vermuten würden! Alle Menschen sind nämlich Geschöpfe Gottes, was man insbesondere daran erkennt, daß diese – obwohl sie keine Bibel haben bzw. diese sogar ablehnen – doch in aller Regel immer von Natur aus gerne tun würden, was die Bibel fordert. Die Bibel – nichts geringeres als Gottes Wort selbst – sagt dazu:

Sie (die Heiden) beweisen damit, dass in ihr Herz geschrieben ist, was das Gesetz (bzw. die Bibel) fordert, zumal ihr Gewissen es ihnen bezeugt, dazu auch die Gedanken, die einander anklagen oder auch entschuldigen …
(Römerbrief 2, 14-15, Erläuterungen in Klammern hinzugefügt)

Extremes Beispiel zur Veranschaulichung: ein hinterlistiger Mord wird in allen bekannten Kulturen abgelehnt, auch wenn diese noch nie von der Bibel gehört haben. Genauso darf die Todesstrafe in allen bekannten Kulturen nur nach Abhalten eines ordentlichen Gerichts vollstreckt werden, um nicht als Unrecht zu gelten.

Dieses Prinzip gilt selbstverständlich auch im Kleinen, auf der eher persönlichen Ebene, im täglichen Umgang mit seinen Mitmenschen. Insbesondere die folgenden Dinge gelten weltweit als verwerflich:
– Erschleichen von Leistungen, z.B. Schwarzfahren in der U-Bahn,
– Unehrlichkeit im Geldverkehr, z.B. zuviel erhaltenes Wechselgeld an der Kasse im Supermarkt nicht sofort zurückgeben,
– Diebstahl, z.B. Ladendiebstahl.

Aus dem von Gott in uns allen angelegten Verständnis seiner Gesetze wurde im westlichen Kulturkreis unter dem Einfluß der hölzernen aristoteleschen Logik die Wissenschaft der “Ethik”, die man auch kurz als “Lehre vom sittlichen Verständnis” definieren kann. Auch wenn diese Definition nicht viel weiterhilft, sie gibt doch ein gewisses Verständnis davon, was mit dem Begriff “Ethik” gemeint sein könnte.

In der Ethik wird dabei immer wieder versucht, sich an Grenzbereiche heranzutasten, um vor einer Entscheidung stehenden Menschen einen Anhaltspunkt für ein “richtig” oder “falsch” zu geben. Das ist aber nicht immer einfach.

Beispiel: wenn einem die persönliche Ethik einen Ladendiebstahl verbietet, dann kann man nicht gleichzeitig den staatlichen Diebstahl des Ersparten der Bürger durch Entwerten des Umlaufgeldes gut heißen, ohne sich selbst zu widersprechen.

Dies kann man gut in der folgenden Arte-Dokumentation sehen, in der der Herr EZB-Direktor Assmussen einen Schuldenschnitt für Irland uneingeschränkt ablehnt. Allerdings begründet er seine Ablehnung nicht mit einem absoluten Grund, wie beispielsweise dem auch ihm bekannten biblischen Schutz des Eigentums, sondern damit, daß man nicht in einem konkreten Einzelfall so verfahren könne, weil dann ja alle anderen Schuldenstaaten auch einen Schuldenschnitt verlangen könnten, bitte schauen Sie ab Minute 32:30 im folgenden Film:

 

Man kann am Beispiel von Politikern auch erkennen, woran man einen Eindruck der Glaubhaftigkeit einer Person festmacht. Leute, die Fakten mit absoluten, wenngleich auch manchmal unbequemen Maßstäben beurteilen, werden zurecht in aller Regel als “authentisch” beurteilt. Im krassen Gegenteil erscheinen Leute als unglaubwürdig und künstlich, die sich eine persönliche Ethik zurechtlegen, die dort überall “Aussparungen” aufweist, wo eine gleichzeitig geltende Ideologie dies erfordert.

In einem Nebenaspekt und nur der Vollständigkeit halber sei hier erwähnt, daß von dem vorstehend beschriebenen Widerspruch in der Anwendung von Ethik streng zu trennen ist der Effekt des “Wasser predigen und Wein saufen”, der oft bei vermeintlich besonders frommen Leuten beobachtet wird. Bevor man also eine Person wegen ihres konkreten Verhaltens verurteilt, möge man bitte bedenken, daß Menschen dazu neigen, gegen die ihnen eigene Ethik zu verstoßen, wenn dies im Augenblick nützlich zu sein scheint. Das wirft zwar kein gutes Licht auf diese Leute, ändert aber nichts an den Maßstäben ihrer Ethik. Die Bibel nennt so etwas “Sünde”, ein unendliches Thema seit der Vertreibung der Menschheit aus dem Paradies. Selbstredend, daß offene Sünder in der Öffentlichkeit nicht als glaub- und vertrauenswürdig angesehen werden, egal unter welcher herrschenden Ideologie.

In dieselbe Richtung wie oben angegeben geht ein bereits im Jahr 1998 erschienener Aufsatz von Roland Baader “Diskussion um die Freiheit: Christlicher Glaube und Liberalismus – unvereinbar?”
http://ef-magazin.de/2013/09/10/4479-diskussion-um-die-freiheit-christlicher-glaube-und-liberalismus—unvereinbar

Ein wesentlicher Gedanke von Roland Baader daraus lautet

Der christliche Glaube sollte … keineswegs nur funktional – als eine Art nützliche Hilfskrücke bei der Bewahrung freier Gesellschaften gesehen werden, sondern vielmehr als Essenz der Freiheit.

Leider kam es nie zu einem persönlichen Gedankenaustausch zwischen mir und Roland Baader hierüber, was aber nichts macht, denn in zahlreichen Büchern hat er ein Zeugnis dafür hinterlassen, wie der biblische Glaube (er nennt ihn “christlich”, obwohl das zu kurz gegriffen ist) zwar unterirdisch aber doch unlösbar mit der libertären Darstellung der ökonomischen und rechtsstaatlichen Dinge zusammenhängt.

Soweit so gut, wir haben das Feld bestellt und die wichtigsten Grundlagen gelegt. Es ist gerechtfertigt und sogar angebracht, eine libertäre Sichtweise der Dinge anhand der Bibel zu beurteilen und zu entwickeln.

Genau in diese Situation kommt nun der Vatikanstaat, indem er einen aktuellen Text des aktuellen Papstes Franziskus der Erste in insgesamt sieben europäischen Sprachen auf seinen Blog stellt, hier
http://www.vatican.va/holy_father/francesco/apost_exhortations/index_en.htm

Papst Franziskus der Erste zeichnet sich dadurch aus, daß er der Vorsitzende von etwa genau so vielen Mitgliedern der römisch-katholischen Kirche ist wie es Chinesen oder auch Inder in der Welt gibt. Es handelt sich als nicht um irgendwen, sondern um einen echten Meinungsmacher, der auch gehört wird.

Der Text verdient es, wirklich selbst von vorne bis hinten aufmerksam gelesen zu werden, denn er gibt Aufschluß darüber, wie die Ethik des ökonomischen Wirtschaftens derzeit in der römisch-katholischen Kirche im Zusammenhang mit der Evangelisation gesehen wird.

Dieser Zusammenhang zwischen der Ethik des ökonomischen Wirtschaftens und der Evangelisation, d.h. des Verbreitens der “Guten Nachricht” war mir zwar schon immer bekannt, aber daß sich nun gerade die römisch-katholische Kirche um die Verbreitung der Guten Nachricht bemüht, und das auch noch unter westlichen Geschäftsleuten, das war mir neu. Ich kenne eigentlich nur römisch-katholische Pfarrer, die mir wieder und wieder die Geschichte vom reichen Jüngling (Mt 19,16-23) erzählen, damit ich ihnen eine Spende hergebe. Von der “Guten Nachricht” habe ich bei solchen Gesprächen noch nie gehört.

Wiederum in einer Nebenbemerkung (für noch-nicht-Bibelleser) die “Gute Nachricht” in drei Sätzen:
1. Gott hat Himmel und Erde gemacht, mit allem, was darauf lebt, inklusive der Menschen.
2. Die Menschen haben sich durch Sünde von Gott entfernt.
3. Gott schafft selbst einen Weg, durch den die Menschen wieder zu ihm zurückkehren können: der Glaube an Jesus Christus und seinen stellvertretenden Tod für unsere Sünden.

Dies also zum Tenor, unter dem die Nachricht “Evangelium Gaudii” erschienen ist.

Im Einzelnen interessieren hier die Aussagen unter den Ziffern 50 – 60 der vatikanischen Veröffentlichung, die sich auf die derzeitigen ökonomischen Randbedingungen beziehen. Interessant übrigens die Argumentionsweise des Vatikanstaats. Nach der zutreffenden aber floskelhaften Anreihung einiger nicht annehmbarer Umstände, nämlich u.a. daß heute zahlreiche Arme nicht mehr nur ausgebeutet sondern sogar ganz aus der Gesellschaft ausgeschlossen werden, kommt der Vatikanstaat vermeintlich zur Sache:

Nein zur neuen Vergötterung des Geldes

55. Einer der Gründe dieser Situation (der Ausschließung von ganzen Bevölkerungsteilen, Erläuterung hinzugefügt, MS) liegt in der Beziehung, die wir zum Geld hergestellt haben, denn friedlich akzeptieren wir seine Vorherrschaft über uns und über unsere Gesellschaften. Die Finanzkrise, die wir durchmachen, lässt uns vergessen, dass an ihrem Ursprung eine tiefe anthropologische Krise steht: die Leugnung des Vorrangs des Menschen! Wir haben neue Götzen geschaffen. Die Anbetung des antiken goldenen Kalbs (vgl. Ex 32,1-35) hat eine neue und erbarmungslose Form gefunden im Fetischismus des Geldes und in der Diktatur einer Wirtschaft ohne Gesicht und ohne ein wirklich menschliches Ziel. Die weltweite Krise, die das Finanzwesen und die Wirtschaft erfasst, macht ihre Unausgeglichenheiten und vor allem den schweren Mangel an einer anthropologischen Orientierung deutlich – ein Mangel, der den Menschen auf nur eines seiner Bedürfnisse reduziert: auf den Konsum.

56. Während die Einkommen einiger weniger exponentiell steigen, sind die der Mehrheit immer weiter entfernt vom Wohlstand dieser glücklichen Minderheit. Dieses Ungleichgewicht geht auf Ideologien zurück, die die absolute Autonomie der Märkte und die Finanzspekulation verteidigen. Darum bestreiten sie das Kontrollrecht der Staaten, die beauftragt sind, über den Schutz des Gemeinwohls zu wachen. Es entsteht eine neue, unsichtbare, manchmal virtuelle Tyrannei, die einseitig und unerbittlich ihre Gesetze und ihre Regeln aufzwingt. Außerdem entfernen die Schulden und ihre Zinsen die Länder von den praktikablen Möglichkeiten ihrer Wirtschaft und die Bürger von ihrer realen Kaufkraft. Zu all dem kommt eine verzweigte Korruption und eine egoistische Steuerhinterziehung hinzu, die weltweite Dimensionen angenommen haben. Die Gier nach Macht und Besitz kennt keine Grenzen. In diesem System, das dazu neigt, alles aufzusaugen, um den Nutzen zu steigern, ist alles Schwache wie die Umwelt wehrlos gegenüber den Interessen des vergötterten Marktes, die zur absoluten Regel werden.

Nein zu einem Geld, das regiert, statt zu dienen

57. Hinter dieser Haltung verbergen sich die Ablehnung der Ethik und die Ablehnung Gottes. Die Ethik wird gewöhnlich mit einer gewissen spöttischen Verachtung betrachtet. Sie wird als kontraproduktiv und zu menschlich angesehen, weil sie das Geld und die Macht relativiert. Man empfindet sie als eine Bedrohung, denn sie verurteilt die Manipulierung und die Degradierung der Person. Schließlich verweist die Ethik auf einen Gott, der eine verbindliche Antwort erwartet, die außerhalb der Kategorien des Marktes steht. Für diese, wenn sie absolut gesetzt werden, ist Gott unkontrollierbar, nicht manipulierbar und sogar gefährlich, da er den Menschen zu seiner vollen Verwirklichung ruft und zur Unabhängigkeit von jeder Art von Unterjochung. Die Ethik – eine nicht ideologisierte Ethik – erlaubt, ein Gleichgewicht und eine menschlichere Gesellschaftsordnung zu schaffen. In diesem Sinn rufe ich die Finanzexperten und die Regierenden der verschiedenen Länder auf, die Worte eines Weisen des Altertums zu bedenken: » Die eigenen Güter nicht mit den Armen zu teilen bedeutet, diese zu bestehlen und ihnen das Leben zu entziehen. Die Güter, die wir besitzen, gehören nicht uns, sondern ihnen. «[55]

58. Eine Finanzreform, welche die Ethik nicht ignoriert, würde einen energischen Wechsel der Grundeinstellung der politischen Führungskräfte erfordern, die ich aufrufe, diese Herausforderung mit Entschiedenheit und Weitblick anzunehmen, natürlich ohne die Besonderheit eines jeden Kontextes zu übersehen. Das Geld muss dienen und nicht regieren! Der Papst liebt alle, Reiche und Arme, doch im Namen Christi hat er die Pflicht daran zu erinnern, dass die Reichen den Armen helfen, sie achten und fördern müssen. Ich ermahne euch zur uneigennützigen Solidarität und zu einer Rückkehr von Wirtschaft und Finanzleben zu einer Ethik zugunsten des Menschen.

Nein zur sozialen Ungleichheit, die Gewalt hervorbringt
59. Heute wird von vielen Seiten eine größere Sicherheit gefordert. Doch solange die Ausschließung und die soziale Ungleichheit in der Gesellschaft und unter den verschiedenen Völkern nicht beseitigt werden, wird es unmöglich sein, die Gewalt auszumerzen. Die Armen und die ärmsten Bevölkerungen werden der Gewalt beschuldigt, aber ohne Chancengleichheit finden die verschiedenen Formen von Aggression und Krieg einen fruchtbaren Boden, der früher oder später die Explosion verursacht. Wenn die lokale, nationale oder weltweite Gesellschaft einen Teil ihrer selbst in den Randgebieten seinem Schicksal überlässt, wird es keine politischen Programme, noch Ordnungskräfte oder Intelligence geben, die unbeschränkt die Ruhe gewährleisten können. Das geschieht nicht nur, weil die soziale Ungleichheit gewaltsame Reaktionen derer provoziert, die vom System ausgeschlossen sind, sondern weil das gesellschaftliche und wirtschaftliche System an der Wurzel ungerecht ist. Wie das Gute dazu neigt, sich auszubreiten, so neigt das Böse, dem man einwilligt, das heißt die Ungerechtigkeit, dazu, ihre schädigende Kraft auszudehnen und im Stillen die Grundlagen jeden politischen und sozialen Systems aus den Angeln zu heben, so gefestigt es auch erscheinen mag. Wenn jede Tat ihre Folgen hat, dann enthält ein in den Strukturen einer Gesellschaft eingenistetes Böses immer ein Potenzial der Auflösung und des Todes. Das in den ungerechten Gesellschaftsstrukturen kristallisierte Böse ist der Grund, warum man sich keine bessere Zukunft erwarten kann. Wir befinden uns weit entfernt vom sogenannten „Ende der Geschichte“, da die Bedingungen für eine vertretbare und friedliche Entwicklung noch nicht entsprechend in die Wege geleitet und verwirklicht sind.

Hier werden ersichtlich “Roß und Reiter” vertauscht. Es werden ominöse “ungerechte Gesellschaftsstrukturen” als für die genannten Ungerechtigkeiten verantwortlich angeführt, ohne zu sagen, was damit gemeint ist. Etwa daß die nicht gewählte EU-Kommission die Gesetze für die Bewohner Europas macht? Oder daß sich eine unheilvolle Allianz zwischen Banken und Staat entwickelt hat, die auf der Basis eines ungedeckten Falschgeldsystems das System in seinen Grundfesten u.a. dadurch schädigt, daß Wohltaten mit Hilfe von ständiger Neuverschuldung finanziert werden?

Weit gefehlt, denn denn der Vatikanstaat kommt zum folgenden Ergebnis:

60. Die Mechanismen der augenblicklichen Wirtschaft fördern eine Anheizung des Konsums, aber es stellt sich heraus, dass der zügellose Konsumismus, gepaart mit der sozialen Ungleichheit das soziale Gefüge doppelt schädigt. Auf diese Weise erzeugt die soziale Ungleichheit früher oder später eine Gewalt, die der Rüstungswettlauf nicht löst, noch jemals lösen wird. Er dient nur dem Versuch, diejenigen zu täuschen, die größere Sicherheit fordern, als wüssten wir nicht, dass Waffen und gewaltsame Unterdrückung, anstatt Lösungen herbeizuführen, neue und schlimmere Konflikte schaffen. Einige finden schlicht Gefallen daran, die Armen und die armen Länder mit ungebührlichen Verallgemeinerungen der eigenen Übel zu beschuldigen und sich einzubilden, die Lösung in einer „Erziehung“ zu finden, die sie beruhigt und in gezähmte, harmlose Wesen verwandelt. Das wird noch anstößiger, wenn die Ausgeschlossenen jenen gesellschaftlichen Krebs wachsen sehen, der die in vielen Ländern – in den Regierungen, im Unternehmertum und in den Institutionen – tief verwurzelte Korruption ist, unabhängig von der politischen Ideologie der Regierenden.

Mir bleibt bei der Lektüre dieser obigen Zeilen schlichtweg die Schreibe weg. Schuld sind nach Ansicht des Vatikanstaats also:

1. der Konsumismus,
2. der Rüstungswettlauf, und
3. die Korruption.

Haben der Papst und die anderen Betreiber des Vatikanstaats schon von der durchweg biblischen Reichtumsmaschine der freien Wirtschaft gehört, die gerade den armen Leuten hilft? Wohl nicht. Ansonsten hätte er festgestellt, daß sich diese Armen kaufen können, was sie wollen, und daß ihr Einkommen bei freier Wirtschaft wesentlich höher als unter einem kollektivistischem System ist.

Haben sich der Papst und die anderen Betreiber des Vatikanstaats jemals mit dem Phänomen des Mindestlohns beschäftigt, der es illegal macht, seine Arbeitskraft unterhalb eines gesetzlich festgelegten Preises anzubieten? Wohl nicht, denn dann wüßten sie, daß ein Mindestlohn Arbeitsplätze verhindert, statt sie zu erhalten.

Haben sich der Papst und die anderen Betreiber des Vatikanstaats jemals damit befasst, daß das staatliche organisierte System der Umverteilung vor allem dafür sorgt, daß die mit der Umverteilung befassten Sozialingenieure einen erheblichen Reibungsverlust verursachen? Wohl nicht, denn dann hätten sie festgestellt, daß dieser Reibungsverlust den größeren Teil der dafür vereinnahmten Steuergelder auffrisst, so daß den Steuerzahlern für Zahlungen auf der Basis einer privaten Caritas nichts mehr übrig bleibt. Bei dieser Gelegenheit müßten der Papst und die anderen Betreiber des Vatikanstaats auch in den Spiegel schauen und vielleich zur Kenntnis nehmen, daß es in der römisch-katholischen Kirche selbst insofern auch nicht wesentlich anders ist. So etwas verursacht natürlich Schmerzen, die einen dazu veranlassen, sich bei anderen möglichen Ursachen umzusehen.

Interessanterweise nimmt der Papst gerade bei seinen Ausführungen zu ökonomischen Fragen nicht Bezug auf die Bibel, sondern vielmehr auf eine westliche “Ethik”, die aber aristoteleschen Ursprungs ist. Er fragt nicht einmal nach Gottes Willen. Man fragt sich selbst dabei, warum er den Titel “Heiliger Vater” benutzt, wo er doch genau bei denjenigen Fragen, wo es “ans Eingemachte” geht, auf das Wort Gottes verzichtet und sich auf billige westliche Philosophie zurückzieht. Liegt es daran, daß er sich und seine menschliche Philosphie über den Willen Gottes stellt? Hoffentlich nicht.

Dabei gibt es genug Literatur christlichen Ursprungs, die genau zu diesen Fragen aus biblischer Sicht Antworten gibt. Und diese Literatur hätte der Papst lesen können, bevor er seine Meinung kundtut.

Als eines der jüngsten einschlägigen Werke sei das lesenswerte Buch “Jesus, der Kapitalist: Das christliche Herz der Marktwirtschaft” von Robert Grözinger genannt, erhältlich hier
http://www.amazon.de/Jesus-Kapitalist-christliche-Herz-Marktwirtschaft/dp/3898797112

Es handelt sich dabei um ein sehr empfehlenswertes Buch, das insbesondere zu dem von römisch-katholischen Pfarrern so gerne zitierten Gleichnis vom reichen Jüngling sowie zur Frage des Nehmens von Zins und Zinseszins zahlreiche biblische Aspekte beizutragen hat.

Aufmerksam geworden durch einen Hinweis auf Ron Kubsch www.theoblog.de – einem ebenfalls sehr empfehlenswerten Ethik-Blogs mit christlichem Hintergrund – habe ich in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hier

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftswissen/kapitalismuskritik-wie-der-papst-in-wirtschaftsfragen-irrt-12730815.html
einen Beitrag von genau siesem Robert Grözinger gefunden, mit dem Titel “Wie der Papst in Wirtschaftsfragen irrt”, aus dem der folgende Ausschnitt stammt:

Das Grundproblem mit Aussagen wie denen des Pontifex ist, dass keine konkreten Ursachen für die genannten strukturellen Probleme der Weltwirtschaft dargelegt werden, sondern sie sich in einer vagen Klage gegen allzu freie Märkte erschöpfen, die aber Unkenntnis offenbaren. Es ist nämlich keinesfalls die „Wirtschaft“, die tötet, wenn, wie der Papst beklagt, „es kein Aufsehen erregt, wenn ein alter Mann, der gezwungen ist, auf der Straße zu leben, erfriert, während eine Baisse um zwei Punkte in der Börse Schlagzeilen macht“.

Der Schuldige, wenn man denn einen Schuldigen pauschal nennen will, ist vielmehr der Staat. Jener Staat, der zum Beispiel in Argentinien, dem Heimatland des Papstes, durch interventionistische und Eigentumsrechte willkürlich bedrohende Politik Investoren verschreckt und die Wirtschaft so in Stagnation und Niedergang führt. Ein Staat, der Mindestlöhne festlegt und damit Schwache aus dem produktiven Erwerbsleben ausschließt und sie abhängig von einer Wohlfahrt macht, die er ebenfalls reguliert und beherrscht. Der Höchstmieten festlegt und damit den Wohnungsmarkt einschränkt. Ein Staat, der Unternehmen reglementiert und besteuert, bis sie auswandern oder schließen und damit empfindliche Wohlfahrtsverluste für die bisherigen Arbeitnehmer und deren Gemeinden verursacht. Der andere, unproduktive Unternehmen subventioniert, so dass Ressourcen unproduktiv verwendet werden und der Kapitalstock einer Nation dahinschrumpft.

Damit will ich es bis auf weiteres beim Themenpaar “Ethik und Finanzen” belassen. Dieses Thema gehört in einem ordentlichen Finanz- und Wirtschaftsblog angesprochen und auch systematisch behandelt, gerade damit gedankliche Ausfälle wie im o.g. vatikanischen “Evangelium Gaudii” vermieden werden.

Hier auf meiner Internet-Homepage können Sie dementsprechend zwischen den Zeilen immer eine biblische Sichtweise der Dinge mitlesen, allerdings ohne daß dies breitgetreten wird. Gottes Wort ist und bleibt der Maßstab für alles hier Gesagte.

Damit schließt sich der Kreis mit dem eingangs genannten Thema. Das ist gerade der Grund, warum Sie die hier eingestellten Artikel gerne lesen. Gottes Gesetz ist uns eben allen als Maßstab “ins Herz geschrieben”, wie die Bibel so treffend sagt.

(01. Januar 2014)

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Was wir Menschen tun ist zwangsläufig mit Fehlern behaftet.
Die Bibel rät deshalb: "Prüft alles und das Gute behaltet!" (1. Thess 5, 21)

Entsprechend haben sich die Männer von Beröa verhalten, über die Folgendes berichtet wird:
"Diese aber waren freundlicher als die in Thessalonich; sie nahmen das Wort bereitwillig auf und forschten täglich in der Schrift, ob sich's so verhielte." (Apg 17, 11)

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